Zack Snyder hatte es mit seiner Watchmen-Umsetzung geschafft, mich so zu faszinieren, dass ich mir nicht nur verschiedene Fassungen des Films angesehen sondern sogar die Comic-Vorlage zu Gemüte geführt habe. Entsprechend war ich lange Zeit gespannt auf seinen neuesten Streich Sucker Punch, und habe allen Unkenrufen zum Trotz auch stets mit Zuversicht darauf geblickt, ganz im Gegensatz zu meinen vom ersten Trailer an skeptischen Kollegen. Doch nach nur wenigen Minuten des Films war mir klar, dass ich da – mal wieder – aufs falsche Pferd gesetzt hatte.
Eine Story für die sich heutzutage ein Computerspiel schämen müsste gepaart mit derart absurd-sinnlosen Kämpfen, dass auch die tollsten Choreographien und CGI-Tricks kein Interesse daran wecken können – Mitfiebern fällt also aus. Aber vielleicht war der Gedanke ja auch, dass man den Zuschauer nicht mit einer echten emotionalen Bindung zu den ganzen geilen Schlampen Heldinnen der modernen Frauenbewegung belasten will. Problem hierbei: zehn Minuten auf soup.io/everyone bieten in jeder Hinsicht mehr, ganz egal ob man ästhetischere, versautere, künstlerisch angehauchte oder explizite Wichsvorlagen bevorzugt.
Während man das freilich einem Film nicht vorhalten kann und sollte, lässt sich das Fehlen einer halbwegs brauchbaren Story nicht entschuldigen. Ich wiederhole mich, aber auch HirnAusGrunzAn-Kracher brauchen ein stimmiges Konzept – wohlgemerkt, ich würde selbst dem Ananas Express ein solches weitestgehend zusprechen, es geht hier keineswegs um ein Niveau-Minimum, sondern um Qualität. Nachvollziehbare Charaktere können dünne Storylines oft noch über die Zeit retten, aber auch hier Fehlanzeige. Es wird überdeutlich, dass Snyder ohne gute Vorlage lieber nur noch Musikvideos drehen sollte.
Womit wir schon beim schlimmsten Verbrechen dieses Machwerks angelangt sind, denn all das Bisherige sehe ich noch relativ emotionslos. Ein sinnloser Schundfilm, der sicher auch den Nerv einiger Leute trifft – völlig normal, wird es immer geben, nichts was mich länger als der Film andauert beschäftigen würde. Während ein guter Soundtrack auch schon so manchen belanglosen Film in positivere Erinnerung gerückt hat als er es verdient hätte, kann schlecht gewählte Musikuntermalung auch einem guten Film noch einiges an Potential rauben. In diesem Fall ist ein mehr als nur belangloser Film mit einem Verbrechen an der Menschlichkeit vermengt worden, das seinesgleichen sucht.
Where Is My Mind?, ein absoluter Meilenstein der Musikgeschichte, zeitlos nicht erst seit einer legendären Credits-Platzierung. Ein Song für die Ewigkeit, für die einsame Insel, ein Song der in Sekundenschnelle für Gänsehaut und wohlige Melancholie sorgt. Ein Song, den man natürlich auch covern darf und kann:
Und hier? Passend zu ihrem farblosen Schauspiel hingerotzt von Emily Browning in einer Version, die derart blasphemisch und abstossend ist, das mir wirklich die Worte fehlen. Und als ob dieser sucker punch etwa zehn Minuten nach Beginn des Films nicht schon schlimm genug gewesen wäre, darf sich danach noch Emilíana “Jungle Drum” Torrini am weißen Hasen (wer ihn immer noch nicht hat, unbedingt mal diesen Soundtrack besorgen, jedes einzelne Lied bereitet mehr Freude als dieser überflüssige Film) vergehen.
Auch Queen, Tomorrow Never Knows, Sweet Dreams (Are Made of This) und mehr bleiben nicht verschont, für jeden Musikfreund ein Schlag in die Magengrube dabei.
Nichtmal Don Draper Jon Hamm kann bei diesem Desaster noch irgendetwas retten. Auch tolle Slow-Mo-Bullet-Time-Einlagen nicht. Auch dampfbetriebene Zombie-Deutsche nicht.
Das einzige Element des Films, das er tatsächlich für den Zuschauer nachvollziehbar vermittelt, ist die Lobotomie – hirntoter als nach Sucker Punch habe ich mich schon eine ganze Weile nicht mehr gefühlt.





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